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Dietmannsrieder Musikstadl 2011
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Bericht zum Frühjahrskonzert 2011
Allgäu-Schwäbischer Musikbund, Bezirk I Kempten Zwei flexible Orchester boten tolle konzertante Blasmusik
DIETMANNSRIED (wh). Es zählt sicherlich zu den anspruchvollsten Herausforderungen für einen Dirigenten bzw. eine Dirigentin, aus dem schier unübersehbar reichhaltigen Angebot an Musikliteratur eine gute Handvoll Stücke für einen Konzertabend auszuwählen. Gilt es doch dem Geschmack der Zuhörer aber auch der Musizierenden bestmöglich gerecht zu werden. Wie sollte man sonst Erstere zum Wiederkommen animieren und Letztere über Wochen für die Probenarbeit motivieren können. Ein weiteres wichtiges Moment für das Gelingen einer Konzertveranstaltung ist am Ende die kaum kalkulierbare Tagesform der Akteure. Den musikalisch Verantwortlichen für das jüngste Frühjahrskonzert in der Festhalle Dietmannsried darf man ein Kompliment aussprechen, sie haben die vorhin erwähnte harte Nuss geknackt und die entscheidenden Komponenten punktgenau auf der Erfolgsspur ver-knüpft. Martina Schmalholz hatte „ihre" Nachwuchsmusiker in eine Topform gebracht und konnte die Leistungen im Verlauf des ersten Programmblockes routiniert abrufen. Rundweg gelungen und mit eindrucksvollem Klangvolumen wurden die Hits „You´ll be in my heart" und „ABBA in Concert" dargeboten. Die moderne Ouvertüre „Ross Roy" aus der Feder von Jakob de Haan lief wie am Schnürchen und war ein Glanzpunkt. Die vier Schlagwerker hatten alle Hände voll zu tun und setzten die notierten rhythmischen Bewegungen um, die angespornten Bläser waren ebenbürtige Mitstreiter. Stark gefordert waren die Posaunen beim nachfolgenden „Oh happy Day", zum vorläufigen Abschluss erklang der „Montana Marsch". Die Jungbläser bewiesen insgesamt eine fabelhafte Gewandtheit und erweckten nie den Eindruck, als wären sie froh ein Stück nun endlich aufführen und dann - möglichst für immer - weglegen zu kön-nen.
Die Hauptkapelle eröffnete ihren Teil mit dem beliebten Marsch-Klassiker „Mars der Medici" von Johann Wichers. Dass den Musikern die zeitgenössische „Festival Overture" von Autor Hans van der Heide zunächst nicht sehr sympathisch war, weil sich der Komponist bei den Versetzungszeichen regelrecht austobte, ließ Ansagerin Steffi Wüst wissen. Umso gespannter lauschten die Zuhörer dem Vortrag und spendeten sodann den Amateuren für die trittsichere Überwindung der Hürden reichlich Applaus. Aus dem Werk „Russian Dance Suite" von Kees Vlak gab das Orchester drei Teile zum Besten. Die ersten Eindrücke seines Aufenthalts in Minsk hatten den zeitgenössischen Komponisten zu dieser Tanzsuite inspiriert. In den kon-trastreichen Sätzen widmet er sich den slawischen Weißrussen, ihrer Energie und über-schwängliche Lebensfreude. Vlak erinnert daneben an kriegerische Auseinandersetzungen und beschreibt den Charakter des Volkes. Mit den ungewohnten Elementen und der schnellen Abfolge hatten die anpassungsfähigen Musikanten keine Mühe. Während der impulsiven Auf-führung sprang der zündende Funke von der Bühne bis in die letzte Tischreihe über.
Genießer lassen sich immer wieder gerne einen guten Fang aus vertrauten Gewässern oder einen edlen Tropfen auf der Zunge zergehen. Für die meisten Konzertbesucher waren es an diesem Abend im übertragenen Sinne die Lieder aus der Feder von Ray Charles, einem Künstler mit interessanter Biografie. Schon wenige Takte verhalfen dem Gedächtnis auf die Sprünge, die Verknüpfung war hergestellt. Dem Charme der legendären Melodien des Pianis-ten und Soulsängers, die im Laufe der Zeit von vielen Interpreten in unterschiedlichen Versio-nen neu aufgelegt wurden, kann sich bis heute kaum jemand entziehen. Die in einem "Tribute-Medley" des Arrangeurs P. K. Schaars zusammengefassten Ausschnitte von "I Can't Stop Loving You", "Hit the Road Jack", "Georgia on My Mind", "Hallelujah I Love Her So" und "Unchain My Heart" waren weit mehr als unscheinbare Appetithäppchen. Nein, hier durften sich die Anwesenden eine mit viel Liebe und Gespür für das Wesentliche kredenzte Portion Soulmusik einverleiben und dann in Gedanken zufrieden die Ohrmuscheln streicheln. Selbst auf die Frühjahrsmüdigkeit und Zeitumstellungsprobleme hatten die Akteure noch ein probates musikalisches Mittel parat, den "Euregio-Walzer" und die „Aha-Polka". Die rezept- und nebenwirkungsfreien Stimmungsaufheller hatten laute Zugaberufe zur Folge, die nicht unerhört blieben. Spätestens beim Bühnenabgang stellte sich die Gewissheit ein, dass es wiederum gelungen war, die vorhandene Freude an der Blasmusik weiter zu vermitteln. Der junge Dirigent Tobias Schneider dokumentierte mit diesem Konzert seine Eigenständigkeit und Bodenhaftung. Sein ernsthaftes Bestreben, den Klangkörper mit Akribie zu formen, trägt Früchte.
Zur traditionellen Konzertveranstaltung konnte Vorstand Roland Wolf eine Delegation der Pa-tenkapelle aus Kuchen, der befreundeten Kapelle aus Wangen/Südtirol, die Ehrenmitglieder des Vereins sowie zahlreiche Ehrengäste begrüßen.
EHRUNGEN: Langjährige Aktive und Nachwuchsbläser wurden im Rahmen des Frühjahrskonzertes der Musikkapelle Dietmannsried geehrt. Von Seiten des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM), Bezirk 1 Kempten zeichneten Bezirksleiter Hermann Koch und Vize-Bezirksdirigent Georg Hartmann Ludwig Engel (Posaune) und Werner Heider (Klarinette) für 40 Jahre Musi-kertätigkeit aus. Die entsprechende Ehrenurkunde für Treue und Verdienste um die Blasmusik erhielten ferner Christina Eugler (Klarinette), Sonja Kramer (Bariton) und Raimund Musch (Horn) für jeweils 25 Jahre Mitwirken. Für den Bezirksleiter stand außer Frage, dass sich das von den Blasorchestern zu den verschiedensten Anlässen Dargebotene auch in Zeiten einer permanenten Reizüberflutung sowie einer allgegenwärtig scheinenden Klangeinheitsware behaupten kann und wird. Er umriss außerdem, in welch vielfältiger Weise die traditionsreiche Musikkapelle Dietmannsried seit über 200 Jahren das Geschehen im Allgäuer Marktort mit-prägt und dass sie einen festen Platz als wichtiger Kulturträger einnimmt. Die bereits auf be-achtlichem Niveau Musizierenden der Jugendkapelle „Allgäuer Tor" ermunterte er, sich für den Erhalt dieser Tradition nach besten Kräften einzusetzen. Bürgermeister Hans-Peter Koch freute sich über die Leistungen aller örtlichen Blaskapellen und wandte sich dann an die Musikanten, die seit 25 und 40 Jahren aktiv sind. Mit dem gemeindlichen Ehrenteller bzw. dem -krug und einer gläsernen Tischuhr würdigte Koch die ausdauernde ehrenamtliche Tätigkeit der fünf Musizierenden. Auf Vereinsebene vollzog Vorstand Roland Wolf die Auszeichnungen. Er beleuchtete in ge-raffter Form den Werdegang der im Blickpunkt Stehenden und skizzierte deren spezielle Ver-dienste. Ein beeindruckendes und keineswegs selbstverständliches Engagement bescheinigte er Ludwig Engel, der seit Jahrzehnten nicht nur in seiner Stammkapelle Schrattenbach son-dern parallel dazu in Dietmannsried musiziert und trotz dieser Zweigleisigkeit stets eine recht hohe Anwesenheitsquote erzielt. Zudem fanden folgende übernommenen Aufgaben in der Vorstandschaft Erwähnung: Christina Eugler (ehemalige Jugendvertreterin, Kassiererin seit 2000), Sonja Kramer (ehemalige Beisitzerin), Werner Heider (ehem. Jugendvertreter und Bei-sitzer, Schriftführer seit 1997). Vorstand Wolf zeigte sich außerdem erfreut über die erfolgreich abgelegte Bläserprüfung D 1. Er gratulierte Laura Bartenschlager (Klarinette), Karina Feistner (Klarinette), Annika Pieper (Klarinette) und Thomas Wagner (Posaune), ferner Stefanie Wüst, die sich nach dem Wechsel vom Flöten- ins Flügelhornregister auch noch auf ihrem neuen Instrument der Prüfung unter-zog.
Werner Heider
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Auf dem Bild von links nach rechts: Vorsitzender Roland Wolf, Ludwig Engel, Werner Heider, Raimund Musch, Sonja Kramer und Christina Eugler. Das Foto wurde von Andrea Zahler erstellt. |
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